EDK-Ost 4bis8

1194bis8 EDK Ost – Projektschlussbericht 2010 personen fühlen sich trotz grosser Heterogenität der Klasse nicht überfordert (Vogt 2010). Das Teamteaching und die Zu- sammenarbeit mit den Schulischen Heilpädagogen sind eine Grundvoraussetzung für das Gelingen der Integration. Die Basisstufe oder Grundstufe unterstützt und för- dert spielerisches und systematisches Lernen. Das Neben- und Miteinander dieser beiden unterschied- lichen Lernformen prägen den Unterricht auf der Basisstufe oder Grundstufe. In den Versuchen wurde dem Spiel beson- dere Beachtung geschenkt. Man wollte die im Vorfeld der Versuche geäusserten «Verschulungs-Bedenken» ernst neh- men. Gleichzeitig wurde durch die Schulversuche ein Dis- kurs angestossen, der die zentrale Bedeutung des Spiels für die Entwicklung und das Lernen des jüngeren Kindes auch forschungsmässig zunehmend klarer belegt. Jüngere Kinder können in der Basisstufe oder Grundstufe gleich oft spie- len wie im Kindergarten (ca. 5 bis 6 Stunden wöchentlich; vgl. Vogt 2010). Auch Kinder, welche bereits mehrheitlich schulisch ausgerichtet lernen, spielen in der Basisstufe oder Grundstufe noch regelmässig (ca. 2 Stunden wöchentlich). Das Sicherstellen einer regelmässigen und lernunterstützen- den Spielbegleitung forderte die Lehrpersonen zu Beginn der Schulversuche heraus: Zu dringend erschienen andere Aufgaben und Probleme, als dass Zeit für das Beobachten und subtile Begleiten der spielenden Kinder blieb. Mit zuneh- mender Routine der Lehrpersonen konnten die für eine gute Spielförderung notwendigen personellen und räumlichen Ressourcen gesichert werden. Dies scheint auch mit einem Bewusstseinswandel zusammenzuhängen: Lehrpersonen mit dem Ausbildungshintergrund Primarschule unterscheiden sich bezüglich ihrer Einstellung gegenüber der Bedeutung der Spielförderung nicht von Lehrpersonen mit dem Ausbildungs- hintergrund Kindergarten (Vogt 2010). Die inhaltliche Qualität der Spiel- und Lernangebote stieg im Verlaufe der Schulversuchsdauer. Dies kann neben der Rou- tine auch auf die spezifischen Weiterbildungsangebote, die projektinternen Arbeitsschwerpunkte und entsprechende Austauschmöglichkeiten sowie auf die immer zahlreicher pu- blizierten Unterrichtsbeispiele aus Basisstufen oder Grundstu- fen zurückgeführt werden. Der bruchlose Übergang zwischen spielendem und systema- tischem Lernen wird vor allem im Bereich der beiden Kultur- techniken Lesen und Schreiben augenfällig: Im Rollenspiel werden Plakate, Einkaufslisten, Kurzmitteilungen, Briefe etc. geschrieben und gelesen. Schreibunkundige Kinder erfahren so beiläufig, wie nützlich Schrift sein kann. Durch das Beob- achten von Schreibanfängerinnen und Schreibanfängern, wel- che im gleichen Raum lautierend Wörter verschriften, erhalten sie erste Einblicke in das Lautprinzip, welches unserer Schrift zugrunde liegt. Interessierte Kinder können jederzeit, ohne organisatorische Probleme, räumliche Hindernisse und ohne Lehrpersonenwechsel an entsprechenden systematischen Lernangeboten teilnehmen. Die Basisstufe oder Grundstufe reagiert flexibel auf die unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsverläufe. Kinder lernen und entwickeln sich unterschiedlich schnell. Diese Unterschiede sind schon zu Beginn der Basisstufe oder Grundstufe sichtbar: Bereits beim Eintritt der Kinder in den Kindergarten bzw. in die Basisstufe oder Grundstufe sind die Entwicklungs- und Lernunterschiede innerhalb dieser Alters- gruppe beträchtlich (1.5 Jahre mehr oder weniger). Dies be- deutet: Fünfjährige Kinder sind zwar gleich alt, können aber ein Entwicklungsalter zwischen ca. 3.5 und 6.5 Jahren auf- weisen. Wenn Lehrpersonen passende Lern- und Spielangebote be- reitstellen, orientieren sie sich darum nicht am Alter, sondern am individuellen Lern- und Entwicklungsstand des Kindes. Darum werden Lerngruppen auch nach Vorwissen der Kinder anders zusammengesetzt. Der Wechsel vom alters- zum lernstandsorientierten Denken und Unterrichten bedeutet für alle Beteiligten ein eigentliches Umdenken: Eltern wissen nicht mehr, ob ihr Kind nun noch im Kindergarten oder bereits in der Schule ist, denn im Rechnen arbeitet es bereits mit den Fortgeschrittenen mit, für Buchsta- ben interessiert es sich nur mässig und Spielen stellt nach wie vor seine Lieblingsbeschäftigung dar. Die Lehrpersonen sahen sich zu Beginn der Schulversuche mit ungewohnten Problemen konfrontiert: Wie lässt sich Un- terricht, ohne die Übersicht zu verlieren, derart durchlässig gestalten, dass Kinder ohne grossen Aufwand an je individuell herausfordernden Lernaktivitäten teilnehmen können? Im Verlaufe der Schulversuchsjahre haben sich die Lehrperso- nen entsprechende Diagnose-und Methodenkompetenz erar- beitet und die für eine leistbare Umsetzung nötige Zuversicht und Gelassenheit entwickelt. So richten sie z. B. den Unter- richt vor allem im Bereich der Kulturtechniken Lesen, Schrei- ben, Rechnen lernstandsorientiert aus, während in den andern Fachbereichen oft stärker in Gruppen nach dem Alter oder altersgemischt gearbeitet wird. In einigen Schulversuchs- klassen werden die Kinder entlang der traditionellen Stufen (Kindergarten bzw. 1./2. Primarklasse) unterrichtet, und nur besonders interessierte Kinder können vom Angebot der an- deren Lerngruppen profitieren. Wieder andere Klassen arbei- ten weitgehend mit individuellen Förder- und Arbeitsplänen und mit flexiblen Lernstandsgruppen. Besondere Bedeutung

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