EDK-Ost 4bis8

194bis8 EDK Ost – Projektschlussbericht 2010 1.4.1 Problemlage Im EDK-Dossier 48A «Bildung und Erziehung der vier- bis achtjährigen Kinder in der Schweiz» (1997) wurde die Beurtei- lung der Ausgangssituation und die Hinführung zur Skizzie- rung des Modells der Basisstufe folgendermassen begründet: «Die aktuelle Problemsituation zeigt, dass in der Schweiz Kin- der im Alter zwischen vier und acht Jahren nicht nur auf recht unterschiedliche Formen der Einschulung treffen, sondern in diesem kurzen, aber prägenden Lebensabschnitt praktisch im ein- oder zwei-Jahres-Rhythmus mit für sie jeweils neuen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen konfrontiert werden, die an sie höchst unterschiedliche Ansprüche stellen: Neben Spielgruppen sind dies namentlich der Kindergarten und die Primarschule. Es entspricht einer Schultradition, das Lebens- alter als bestimmendes Einschulungskriterium zu verwenden. In der heutigen Auffassung von Schulfähigkeit nimmt das Le- bensalter des Kindes eine untergeordnete Rolle ein; es ist nur ein Faktor unter vielen. Als alleiniges Entscheidungskriterium zur Einschulung ist es sehr fragwürdig. Eine gesetzliche Fest- legung des Schuleintrittsalters muss immer schematisch blei- ben und kann nie allen Kindern gerecht werden. Die Zahl der nichtschulfähigen Kinder ist auch abhängig von den Anforde- rungen der jeweiligen Bildungsinstitution bzw. von den Stütz- und Förderangeboten, die von Kanton zu Kanton variieren. Auf Grund der gewichtigen Unterschiede zwischen den bei- den Stufen erfahren Kinder und deren Eltern den Übergang vom Kindergarten in die Schule nicht selten als empfindlichen Bruch – trotz aller Bemühungen der beteiligten Lehrpersonen. Dieser Bruch ist indes weder entwicklungspsychologisch noch pädagogisch-didaktisch begründbar. ‹Schulfähigkeit› ist das Ergebnis eines sehr individuellen Entwicklungsprozes- ses. Der punktuelle und abrupte Übertritt vom Kindergarten in die Schule fordert seinen Tribut – etliche Kinder werden entweder um ein Jahr zurückgestellt oder sie werden in Ein- führungs- oder Kleinklassen eingeteilt. In den meisten Kan- tonen unterscheiden sich Kindergarten und Primarschule gegenwärtig nicht nur methodisch-didaktisch und personell deutlich voneinander, sondern auch räumlich und organisato- risch. Kindergärten und Primarschulen sind sehr oft nicht im selben Gebäude untergebracht. In Bezug auf die Trägerschaft bestehen zahlreiche Varianten: Kindergärten werden häufig kommunal geführt und sind nicht integrierte Bestandteile des obligatorischen Schulprogramms wie die fast ausschliesslich öffentlichen Primarschulen. Und in der Schulentwicklungs- arbeit auf Gemeinde- und Schulebene ist heute im Grunde allen Beteiligten klar, dass zur Schule auch die Kindergärten gehören. Doch ist vielerorts beobachtbar, dass diese Einsicht verbreiteter ist als die entsprechende Praxis – die traditionelle räumliche und organisatorische Trennung der beiden Stufen hat bisher eine Zusammenarbeit häufig genug verhindert.» Die vorgelegte Analyse wurde zwischenzeitlich konkretisiert und erweitert. So haben weitere Forschungsarbeiten und Ent- wicklungen im Bereich der Eingangsstufe bestimmte Aspekte verstärkt, den Kontext verändert: – Untersuchungen bestätigten die hohen Rückstellungsquo- ten beim Schuleintritt und das Ausbleiben des erhofften Schulerfolgs. – Zu hohe Kosten der Selektion bei Schuleintritt, zu viel Auf- wand für die Zuweisungsprozesse und Entscheide, zu hoher Anteil an Migrationskindern bei Schuleintritt mit einer Son- derlösung (bzw. Zunahme der Einschulungsklassen). – Grosse kantonale Unterschiede bei den Konzepten der Ein- schulung und die Tendenz dazu, die Kinder auf Grund ihrer intellektuellen Entwicklungen früher einzuschulen. – Untersuchungen bestätigen positive Effekte der Förderung junger Kinder. – Einbezug von wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Lern- stand bei Schuleintritt und der Art und Weise des Erwerbs von Kulturtechniken. Es konnte nachgewiesen werden, dass ein Grossteil der Kinder bei Schuleintritt bereits lesen und rechnen kann. Die Entwicklungsunterschiede, die bei gleichaltrigen Kindern festgestellt wurden, sind markant; die relevanten Voraussetzungen für den Erwerb von Wissen und Können bei Kindern im Einschulungsalter sind daher in äusserst unterschiedlicher Ausprägung vorhanden. – Entwicklung und Lernen werden als wechselseitig wirken- de, dynamische Prozesse betrachtet: Lernvorgänge beein- flussen die Entwicklung ebenso, wie die Entwicklung die Lernvorgänge und -möglichkeiten des Kindes beeinflusst. 1.4 Grundlagen für die Schulversuchsanlage in den Kantonen

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