494bis8 EDK Ost – Projektschlussbericht 2010 Herausforderungen: – Umsetzung des eigenständigen pädagogischen Profils und Abkehr vom jahrgangsorientierten Denken: Nicht das Alter, sondern den Entwicklungsstand der Kinder in den Mittel- punkt stellen und den Unterricht entsprechend gestalten und organisieren. – Nutzen der Heterogenität der Gruppe: Die grosse Heteroge- nität bezüglichAlter, Lernvoraussetzungen und Fähigkeiten für kooperatives Lernen nutzen und sinnvolle Formen der Differenzierung entwickeln. Spielen in der Basisstufe Kinder verhalten sich auch während des Spiels entwicklungs- gemäss. Dies bedeutet, dass die Lehrpersonen auch für die spielerischen Aktivitäten eine Vielzahl von Angeboten in un- terschiedlichen Differenzierungsgraden bereitstellen müssen, damit sich die Kinder diejenigen heraussuchen können, die ihre aktuellen Interessen ansprechen. Die Erfahrungen ha- ben gezeigt, dass auch für ein acht- oder neunjähriges Kind das Spielen noch eine wesentliche Lernfunktion darstellt. Im Verlaufe des Projekts gelang es vielen Lehrpersonen, die Spie- langebote den aktuellen Themen des Unterrichts anzupassen. In einer Projektklasse wurde das anspruchsvolle naturwissen- schaftliche Thema «Magnetismus» bearbeitet. Das Lern- und Spielangebot war von den Lehrpersonen so gut ausgewählt und bereitgestellt worden, dass man zwischen den Tätigkei- ten «spielen», «experimentieren» und «forschen» nicht unter- scheiden konnte. Die Kinder machten laufend Erfahrungen und kamen zu erstaunlichen Erkenntnissen, obwohl sie ihre Handlungen spontan und selbstbestimmt durchführten – es war für sie ein Spiel. Herausforderung: – Lernen und Spielen im Unterricht miteinander verbinden: Spielerische Aktivitäten mit den übrigen Inhalten des Un- terrichts abstimmen. Jüngeren und älteren Kindern ein ihrer Entwicklung entsprechendes Spielangebot bereitstellen. Schulfähigkeit als Prozess Die Unterschiede in den einzelnen Entwicklungsbereichen (Sprache, Motorik, Sozialkompetenz, räumliches Denken usw.) sind selbst bei gleichaltrigen Kindern immens. Die Gründe dafür liegen nicht nur beim Kind bzw. seiner Anlage, Persön- lichkeit und seinen Fertigkeiten, sondern auch bei der Schule (Lehrkräfte, Anforderungen, Fördermöglichkeiten usw.) und beim Umfeld der Kinder (Eltern, Bezugspersonen, Freizeitan- gebote, Horte usw.). Diese verschiedenen Faktoren stehen in einer Wechselwirkung zueinander, die bei jedem Kind unter- schiedlich ausfällt. Deshalb muss auch die Sichtweise von der Schulfähigkeit relativiert werden. Die Frage «schulfähig» oder «nicht schulfähig?» stellt sich in der Basisstufe nicht mehr. Es ist den Lehrpersonen weitgehend gelungen, die Aspekte dif- ferenzierender Fördermassnahmen und individualisierender Unterrichtsformen ins Zentrum zu stellen. Herausforderung: – Die Schulfähigkeit kontinuierlich erwerben: Den Prozess als individuelle Wechselwirkung zwischen Kind, Schule und Familie/Freizeit erkennen und begleiten. Integration und Individualisierung Möglichst alle Kinder sollen in die Basisstufe integriert wer- den. Die Integration aller Kinder geschieht in der Regel in allen Klassen problemlos, zumal die frühe Diagnose von Entwicklungsverzögerungen in Zusammenarbeit mit Schu- lischen Heilpädagogen oder -pädagoginnen sichergestellt wird. Aufwändige Zuweisungsentscheide werden hinfällig, die Schullaufbahn kann für alle Kinder ohne Bruch beginnen. Diese Situation stellt für die Kinder, die Lehrpersonen und die Eltern eine grosse Erleichterung dar. Die Gruppe ist mit vier bis fünf Jahrgängen alters- und leistungsheterogener als im Kindergarten. Dadurch wird eine grössere Integrationswir- kung erreicht, sodass Kinder mit verzögerter Entwicklung, aber auch überdurchschnittlich begabte Kinder leichter in- tegriert werden können. Etliche Lehrpersonen haben die Er- fahrung gemacht, dass auch Kinder mit auffälligem Verhalten einfacher zu führen sind, weil meistens zwei Personen an- wesend sind. Vor allem zwei Projektklassen stehen vor der grossen Herausforderung, eine grössere Anzahl fremdsprachi- ger Kinder zu integrieren. Eigentlich würden diesen Kindern ebenfalls DAZ-Lektionen (Deutsch als Zweitsprache) zur Ver- fügung stehen, die Projektklassen kommen aber weitgehend ohne diese zusätzliche Massnahme aus. Herausforderung: – Individualisierender und differenzierender Unterricht: Un- terricht so gestalten, dass Individualisierung/Differenzie- rung stattfinden kann, und Teamteaching (evtl. ergänzt mit Schulischer Heilpädagogin oder anderen Speziallehrkräften) darauf ausrichten. Mit der Basisstufe gelingt es, den Umgang mit der Entwicklungs- und Leistungsheterogenität der Kinder neu zu gestalten.
