794bis8 EDK Ost – Projektschlussbericht 2010 Der Kanton Zürich hat den Unterricht, dessen Veränderungen und Entwicklungen in fünf Grundstufenklassen evaluiert. Die Befunde der Studie von Stöckli und Stebler (2009) weisen hin- sichtlich der Unterrichtsgestaltung insgesamt auf eine klare Strukturierung und auf eine effiziente Klassenführung hin. Die- se beiden Merkmale gelten als die entscheidenden Gütekriteri- en für lernwirksamen Unterricht. Zudem sind es die wichtigen Leitplanken zur Förderung von selbstgesteuertem Lernen. Integration und Individualisierung Im Kanton Zürich vollzieht die Schule auf Grund des neu- en Volksschulgesetzes bezüglich Integration einen grossen Wandel, den die Grundstufe mit ihrem Konzept teilweise vor- weggenommen hat. Die Einschulungs- und Sonderklassen wurden an Schulen mit Grundstufenmodell aufgehoben und alle Kinder in der Grundstufe integriert. Diese Integration gelingt im Kanton Zürich weitgehend. Durch die Unterstützung einer SHP wird eine hohe Individualisierung im Unterricht ermöglicht. Die Bildungsdirektion hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zehn Kinder mit besonderen Bedürfnissen vier Jahre lang in ihrer Entwicklung und hinsichtlich der Integration sowie des Übergangs in die 2. Primarklasse untersucht hat (INTEGRU, Wagner-Willi & Widmer-Wolf, 2009). Die Studie zeigt, dass bei der individuellen Förderung von Kindern mit besonderen Be- dürfnissen in der Grundstufe vielfältige didaktische Formen entstanden sind. Offenere Lernformen und das Gestalten von Lernumgebungen,in denen die Kinder aktiv,selbstverantwort- lich und gemeinschaftlich lernen, sind üblich im Grundstu- fenalltag. Die Konzepte der Wochenplan- oder Vertragsarbeit werden in der Grundstufe häufig eingesetzt. All diese Aspekte sind der Förderung von Kindern mit unterschiedlichen Bedürf- nissen in der heterogenen Klassensituation zuträglich. Die INTEGRU-Studie hält fest, dass neun der zehn untersuchten Kinder den Übertritt regulär gemacht haben. Flexible Durchlaufzeiten und Durchlässigkeit Im Kanton Zürich ist der Übergang in die 2. Klasse jeweils auf Beginn des Schuljahres möglich. Die Zahl der Kinder, die vier Jahre in einer Grundstufe verweilen, ist leicht höher als die Anzahl Kinder, die entweder die Kindergartenstufe wäh- rend dreier Jahre besuchen oder in einer Einführungsklasse unterrichtet werden. Grundstufenspezifisch ist, dass Kinder mit besonderen Bedürfnissen in der Klassengemeinschaft in- tegriert bleiben und weniger Wechsel der Lehrpersonen und Förderlehrpersonen erleben als auf der Kindergarten- oder Pri- marstufe. Die verkürzte Verweildauer von nur zwei Jahren kommt in der Grundstufe ebenfalls leicht häufiger vor als im Kindergarten. Es handelt sich beim flexiblen Übertritt um eine neue Opti- on, die nicht nur von den Lehrpersonen, sondern auch von den Eltern und der Schule mitgeprägt wird. Es besteht eine gewisse Zurückhaltung bezüglich des flexiblen und kürzeren Verweilens. Ein oft gehörtes Argument gegen ein schnelleres Durchlaufen ist, dass die Kinder dank des individualisierten Unterrichts in der Grundstufe zufriedenstellend gefordert und gefördert werden und ein frühzeitiger Übertritt wenig attraktiv scheint. Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team Das Teamteaching, welches in der Regel eine Lehrperson des Kindergartens, eine Lehrperson der Primarstufe sowie eine SHP zusammenbringt, ermöglicht, die Lernkultur der Kinder- garten- und der Primarstufe zu verbinden und daraus eine neue Lernkultur zu entwickeln. Ein multiprofessionelles Team ist für eine Grundstufenklasse verantwortlich. Damit wird eine hohe Qualität und Kontinuität in der Unterrichtsführung ange- strebt. Gutes Teammanagement, namentlich eine verbindlich geklärte Zusammenarbeit im Team, steigert die Qualität im Unterricht. Je besser die Zusammenarbeit im Team funkti- oniert, umso deutlicher zeigen sich eine hohe Zufriedenheit und Identifikation mit der Arbeit in der Grundstufe. Die ge- teilteVerantwortung im multiprofessionellenTeam ermöglicht eine gezielte Ressourcen- und Kompetenzorientierung sowie eine Weiterbildung «on the job» durch die verschiedenen Aus- und Weiterbildungshintergründe der Lehrpersonen. Die Rolle der SHP im Team ist in einigen Grundstufenklassen noch wenig geklärt und teilweise stark personenabhängig.Als Teil des Grundstufenteams ist sie mit drei Wochenlektionen zuständig für die Beratung, die Förderplanung und die konkre- teArbeit mit einem oder mehreren Kindern. Dies erfordert eine klare Aufgabendefinition, Organisation und Kommunikation. In den letzten fünf Jahren nahmen die interdisziplinäre Zusam- menarbeit und die integrative Arbeit mit Fachpersonen (z. B. Logopädinnen und Logopäden, Psychomotorikfachpersonen) stetig zu. Zusätzlich wirkt sich die Zusammenarbeitskultur in der Grundstufe positiv auf die Integration und auf die unter- schiedlichen Formen des Teamteachings und letztlich auf die Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen aus. Je nach Schulleitung und Schulkultur entwickeln sich Zusam- menarbeitsformen, die über die Grundstufenklassen hinaus reichen. Diese klassen- und stufenübergreifenden Unter- richtsgestaltungen sind oft dann entstanden, wenn Grund- stufenlehrpersonen in zwei Klassen oder zeitweise in einer andern Stufe unterrichten. Die Entwicklung einer Kultur der Zusammenarbeit setzt eine entsprechende Unterstützung voraus. Gleichzeitig fordert die Zusammenarbeit kontinuierliche gemeinsame Reflexion,
